Kurz- und Langschläfer

Wie lange wir schlafen müssen, um uns ausgeruht und erholt zu fühlen, ist individuell sehr unterschiedlich. Überlässt man Menschen ihrem natürlichen Rhythmus, dann pendeln sich einige bei zwölf Stunden ein, andere bei nur vier. Die meisten Menschen mittleren Alters benötigen rund 7,5 bis 8,5 Stunden. Das sind die sogenannten Normalschläfer. Wer regelmäßig mit weniger als 7,5 Stunden auskommt, wird als Kurzschläfer bezeichnet und wer mehr als 8,5 Stunden Schlaf benötigt, den nennt man einen Langschläfer.

langschläfer einstein
Albert Einstein – ein bekennender Langschläfer

Das Lexikon der Neurowissenschaften definiert einen Kurzschläfer als jemanden, der seit frühester Jugend mindestens 25 % weniger schläft als andere in seiner Altersgruppe. Bei 60-jährigen entspricht das einer durchschnittlichen Schlafdauer von unter 5 Stunden pro Tag. Etwa 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung gehören zu dieser Gruppe. Sie unterscheiden sich von Menschen, die aufgrund beruflicher Gründen, privater Verpflichtungen oder ihrer Freizeitgestaltung zu wenig Ruhe bekommen. Während diese Personengruppe den Schlafmangel mit Koffein bekämpft und gegebenenfalls am Wochenende nachholt, benötigen echte Kurzschläfer keinen Ausgleich. Sie würden auch in der Freizeit weniger schlafen. Zu den prominentesten Kurzschläfern zählen Alexander von Humboldt, Napoleon und Thomas Edison.

Etwas größer ist die Gruppe der Langschläfer. Etwa 5 bis 15 % der Gesamtbevölkerung gehören ihr an. Diese Menschen schlafen seit frühester Jugend 10 oder mehr Stunden pro Tag. Zu den prominentesten Langschläfern zählten Albert Einstein, der gerne 12 Stunden täglich schlief, und der Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Der Philosoph und Naturwissenschaftler René Descartes war als notorischer Langschläfer dafür bekannt, dass oft tagelang im Bett blieb. Als er 1649/1650 an den Hof des schwedischen Königs berufen wurde, verlangte dieser, dass Descartes jeden Morgen in aller Frühe im Palast anzutreten habe, um Philosophiestunden zu geben. Kurze Zeit später starb er im Alter von 50 Jahren an einer Lungenentzündung. Angesichts seiner ohnehin schon angeschlagenen Gesundheit scheint der Schlafentzug – nach offizieller Leseart – zum verfrühten Tod beigetragen zu haben.

Ob man ein Normal-, Kurz- oder Langschläfer ist, liegt außerhalb der menschlichen Einflussmöglichkeiten. Aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ist die Zugehörigkeit zu einer dieser Kategorien bereits in den Genen festgelegt. Auf die sonstige Gesundheit hat die Höhe des Schlafbedürfnisses keinen Einfluss. Solange der Körper regelmäßig die Ruhepausen bekommt, sind Kurz- oder Langschläfer nicht Anfälliger für Krankheiten, haben die gleiche Leistungsfähigkeit und genießen dieselbe Lebenserwartung wie Normalschläfer. Problematisch wird es nur, wenn äußere Umstände den Schlafrhythmus durcheinanderbringen. Dann können bei allen Gruppen Herzinfarkte, Schlaganfälle, Übergewicht, Diabetes und Depressionen die Folge sein.

Wie viel Schlaf jemand benötigt, hat übrigens nichts damit zu tun, ob man zu den Früh- oder Spätaufstehern zählt. Um diese beiden Schlaftypen geht es im nächsten Beitrag.

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