Kulturelle Eigenarten

Schlafen ist universell menschlich. Auf der ganzen Welt werden Angehörige unserer Spezies müde und begeben sich zur Ruhe. In jedem Kulturkreis gibt es Anlässe und Zeiten, in denen es sozial akzeptiert ist, ein Schläfchen zu machen, und andere, wo man üblicherweise wach ist. Und doch gibt es im interkulturellen Vergleich größere Unterschiede, als man gemeinhin annimmt.

schlaf in anderen kulturen

Weltweit suchen Menschen zum Ausruhen, Schlummern und Dösen Orte auf, wo sie es ungestört tun können. Das spezifisch Europäische ist nur eine von vielen erdenkbaren Ausprägungen des Schlafverhaltens. Erst durch Vergleiche mit Besonderheiten fremder Kulturen wird klar, dass das, was wir hinsichtlich unserer Schlafgewohnheiten als normal und alltäglich empfinden, nicht notwendigerweise auf jedem anderen Teil des Globus in derselben Weise praktiziert wird.

Ethnien aus nicht-industrialisierten Kulturen in den trockenheißen Klimazonen Afrikas, Australien und Südamerikas schlafen heute noch, wie schon vor Jahrtausenden ihre Ahnen, auf dem Boden, auf Blättern, Gräsern oder ausgebreiteten Tüchern. Wenn das Klima es zulässt, schläft man im Freien. Falls die Witterungseinflüssen es erforderlich machen, bieten Zelte, Laubhütten, Höhlen oder Felsvorsprünge Schutz. Ein Lagerfeuer spendet Wärme und hält wilde Tiere sowie Insekten ab. Einige Völker errichten zum Schutz vor Schlangen und anderem giftigem Getier erhöhte Bettlager, die sie beispielsweise aus Gestellen mit eingespannter Lederhaut zusammensetzen, manche Gruppen benutzen Hängematten. Sesshafte Völker schlafen in Behausungen aus Lehm oder Holz, in denen manchmal sogar abgetrennte Schlafgelegenheiten enthalten sind.

In Kulturkreisen, die durch ein von vorindustriellen Gesellschaften abgehobenes technisch-mechanisches Entwicklungsniveau gekennzeichnet sind, schläft man meist in festen Häusern, die Schutz vor Licht, Lärm und Eindringlingen bieten. Je höher der Wohlstand ist, desto mehr wird für die Ausstattung und Bequemlichkeit der Betten und Schlafzimmer ausgegeben. Doch auch zwischen kulturell so eng verwandten Nationen wie US-Amerikanern und Kanadiern, Briten und Deutschen oder Japanern und Koreanern gibt es größere Unterschiede, als man im ersten Moment vermuten mag.

In der westlichen Welt ist der sogenannte Monophasenschlaf vorherrschend. Das bedeutet, dass das gesamte Schlafbedürfnis durch die nächtliche Schlafphase gestillt wird. In wärmeren Ländern kommt häufiger der Biphasenschlaf vor, wo man es aufgrund der Hitze vorzieht, in den Mittagsstunden eine Siesta abzuhalten. Seit Klimaanlagen in Büros, Fabriken und Privathäuser Einzug gehalten haben, ist dieser Brauch allerdings zunehmend vom Aussterben bedroht. So hat beispielsweise die spanische Regierung im Jahre 2016 angekündigt, den gesetzlich verankerten Siestaanspruch abschaffen zu wollen. In Teilen Asiens und Afrikas gibt es viele Polyphasenschläfer. Zwar wird dort ebenfalls meistens die Nacht zum Schlafen genutzt. Es ist jedoch üblich, bei Bedarf bis in die späten Nachtstunden zu arbeiten und zum Ausgleich tagsüber ein ausgiebiges Schläfchen einzulegen – egal ob an der Universität, in der U-Bahn, im Büro oder im Café. In Japan wird mitunter durch „strategische Nickerchen“ sogar Fleiß demonstriert. Man deutet damit an, dass man die ganze Nacht lang durchgearbeitet hat.

Alle Varianten der Schlafkultur im Detail zu erläutern, würde vermutlich den Rahmen eines mehrbändigen Nachschlagewerks sprengen. Wir können daraus lernen, dass es nicht eine richtige Art zu schlafen gibt. Bedeutsam ist, dass man sich dabei wohl fühlt und in der Summe auf ausreichende Ruhezeiten kommt. Wenn man es dabei schafft, innerhalb des soziokulturellen Gefüges, in welchem man sich bewegt, nicht negativ hervorzustechen, spricht nichts dagegen, die Schlafphasen individuell nach eigenem Gusto zu gestalten.

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