Historische Betrachtungen

Das Phänomen des Schlafes hat Menschen zu allen Zeiten fasziniert und zum Nachdenken angeregt. Nicht nur die Vorstellung, was denn der Schlaf eigentlich sei, hat sich im Laufe der Geschichte verändert. Ebenso wandelte sich die Art und Weise, wie man schlief, die Örtlichkeiten wo man schlief sowie die Dauer der Ruheperioden.

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Aus alten Überlieferungen erfahren wir, dass man in früheren Epochen den Schlaf oft mit dem Tode verglich. Die Bibel sagt im Buch Daniel, Kapitel 12, Vers 2: „Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.“ In der griechischen Mythologie ist der Todesgott Thanatos ein Bruder von Hypnos, dem Gott des Schlafes. Ihre Schwester Keres tritt als Verkörperung des gewaltsamen Todes auf.

Dass der Großteil der Bevölkerung in unseren Breiten ein Schlafzimmer und ein eigenes Bett hat, ist eine relativ neue Errungenschaft. Im europäischen Mittelalter ruhten Handwerker und Bauern auf Strohmatten oder Fellen, zusammen mit anderen Hausgenossen, Nutztieren und jeder Menge Ungeziefer. Aufgrund von Platzknappheit und weil viele Menschen an Atemwegserkrankungen litten, die das Liegen erschwerten, schlief man oft im Sitzen. Geschlafen wurde meist in denselben Räumlichkeiten, in denen auch gearbeitet, gekocht und gegessen wurde. Knechte und Mägde mussten bisweilen im Stall übernachten. Etwas wohlhabendere Bürger konnten sich immerhin ein einfaches Bett leisten. Über ein Schlafzimmer zur eigenen Benutzung verfügten nur Könige und Vertreter des Hochadels.

Mit dem ab der industriellen Revolution rasant wachsenden Wohlstand übernahmen zuerst die Angehörigen des Bürgertums, später auch Arbeiter und Bauern die Schlafgewohnheiten des Adels. Trotzdem war es noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts üblich, dass sich Schichtarbeiter ihre Betten teilten. Wenn einer von der Arbeit zurückkam, begann für den anderen die Schicht und umgekehrt.

Auch die Schlafzeiten haben im Laufe der Zeitepochen Veränderungen erfahren. Bevor das elektrische Licht Einzug in die Städte hielt, richteten sich die Schlaf- und Wachzeiten nach dem Tag-Nacht-Rhythmus. Demzufolge schlief man im Winter etwas mehr und im Sommer etwas weniger. Anders als heute üblich schliefen die Menschen nicht acht Stunden durch, sondern in zwei etwa gleich langen Blöcken. Dazwischen waren sie wach, aßen, unterhielten sich oder sahen nach den Tieren. Auch war es jahrhundertelang üblich, Mittagsschlaf zu halten. Erst mit dem Einzug der elektrischen Glühbirne und den festen Arbeitszeiten, die in modernen Beschäftigungsverhältnissen vorgegeben sind, änderte sich dies. Im mediterranen Kulturkreis hat sich der Brauch des Mittagsschlafs in Form der Siesta bis heute erhalten.

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die nachts gelegentlich aufwachen, ist das nicht unbedingt ein Grund zur Sorge. Vielleicht handelt es dabei nur um ein Überbleibsel eines Jahrtausende alten Ur-Mechanismus.

Quellen:

  • Schlaftraining: Ein Therapiemanual zur Behandlung von Schlafstörungen. Von Tilmann Mülle und, Beate Paterok
  • Süddeutsche Zeitung
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