Kann man im Schlaf lernen?

Viele Schüler und Studenten schwören darauf: Inhalte, die man kurz vor dem Schlafengehen gelernt hat, bleiben besser im Gedächtnis erhalten. Psychiater bestätigen diese These. Der Lernprozess setzt sich im Schlaf fort. Der Grund dafür liegt im Zusammenspiel zwischen Lang- und Kurzzeitgedächtnis. Der Hippocampus – eine Art Zwischenspeicher – lagert Daten, die er für relevant erachtet, in der Tiefschlafphase in das Langzeitgedächtnis aus. Da der menschliche Arbeitsspeicher nur über begrenzte Kapazitäten verfügt, werden Informationen im Tagesverlauf teilweise „überschrieben“, während die kurz vor dem Zubettgehen aufgenommenen Daten noch frisch sind. Wenn man gleich nach dem Lernen zu Bett geht, kann in der Zwischenzeit nichts mehr passieren, was den Lernstoff aus dem Speicher „verdrängt“.

lernen im schlaf
Der Schlafforscher Jan Born von der Universität Lübeck wies 2011 in einer Studie mit 191 freiwilligen Probanden nach, dass das Gehirn zwischen wichtigem und unwichtigem Wissen selektiert. Die Studienteilnehmer mussten 40 Wortpaare lernen und sich Bilder von Tieren und Gegenständen einprägen. Eine Gruppe durfte nach der Lernphase schlafen, die andere blieb wach. Außerdem wurde jeweils die Hälfte der Teilnehmer jeder Gruppe darüber informiert, dass der auswendiggelernte Stoff in zehn Stunden abgefragt wird, der Rest hatte diese Information nicht. Tatsächlich wurden alle Testpersonen nach zehn Stunden kontrolliert. Bei der Auswertung zeigte sich, dass jene, die geschlafen hatten und von der bevorstehenden Prüfung wussten, signifikant besser abschnitten als alle anderen. Bei der Gruppe der „Schläfer“, die nichts von dem baldigen Test wussten, zeigte sich hingegen kein Vorteil. Die Forscher schließen daraus, dass das Gehirn für die Unterscheidung zwischem relevantem und irrelevantem Wissen eine Art  „Marker“ benötigt (Quelle: Pharmazeutische Zeitung online).

Es kann somit durchaus sinnvoll sein, beispielsweise Vokabel kurz vor dem Schlafengehen zu lernen und sich dabei bewusst auf die Tatsache zu konzentrieren, dass es Priorität hat, sie zu behalten. Natürlich setzt diese Art des Lernens eine aktive Beschäftigung mit dem Stoff voraus. Einfach nur das Vokabelheft unter das Kopfkissen zu legen und darauf zu hoffen, dass sich die Wörter im Schlaf auf magische Weise ins Gedächtnis einprägen, wird gewiss nicht zum Erfolg führen.

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